Jenseits von positivem Denken.

Meditation, Achtsamkeit, Alltag

Jenseits von positivem Denken.

Achtsamkeit beginnt dort, wo Positiv und Negativ aufhören.

Wenn wir uns in schwierigen, schmerzhaften oder frustrierenden Situationen befinden, werden wir oft zu positivem Denken aufgerufen. „Das Glas ist halbvoll.“, „Denk positiv!“, „Sei doch dankbar für …“, lauten einige der Leitsätze, die uns auf Social-Media-Seiten, aus Lebensratgebern und aus unserem Freundeskreis entgegengeschleudert werden. Und sicher hat das positive Denken seinen Platz in der menschlichen Seelenhygiene. Wir möchten nicht in ständige Negativ-Gedankenspiralen abrutschen und erinnern uns gern an die Dinge, die uns im Leben Freude und Trost spenden.

Auch wenn wir uns mit der Achtsamkeitsamkeitspraxis beschäftigen, stoßen wir früher oder später auf den Rat des positiven Denkens. Wir werden dazu angehalten, unser „mindset“ zu überarbeiten – schließlich sei jeder Tag ein Geschenk (ist er!). Sind wir also vielleicht sogar selbst schuld, wenn wir uns traurig, niedergeschlagen oder frustriert fühlen? Müssen wir alle negativen Gedanken durch positive ersetzen, um achtsam zu leben?

Mitnichten.

Achtsamkeit existiert jenseits der Schubladen „positiv“ und „negativ“, in die wir unsere Gedanken gern packen. Achtsamkeit bedeutet vor allem: unverfälscht wahrnehmen, nicht-werten, loslassen. Wir haben Gedanken, wir leben Gefühle. Einige davon sind angenehm, andere schwer zu ertragen. Die Praxis der Achtsamkeit lehrt uns einen unverklärten Blick auf das, was wir erleben. Alles darf so sein wie es ist. Nichts müssen wir verändern.

Das, was wir als schmerzhaft, negativ oder belastend erfahren, wird für uns noch schwerer erträglich, wenn wir innerlichen Widerstand dagegen aufbauen. „Warum bin ich heute nur so launisch? Was für eine Verschwendung!“, sagen wir uns vielleicht. Wir denken, wir müssten doch alles positiv sehen und machen es uns damit unnötig schwer, denn wir bleiben so noch länger im unangenehmen Gefühlszustand.

Erlauben wir uns stattdessen, die Realität, die Wirklichkeit voll und ganz anzunehmen, sie wertfrei zu beobachten, wird auch das Loslassen leichter. WIR werden leichter, denn wir befreien uns von Schuldgefühlen und Urteilen uns selbst gegenüber. Lösen wir den Widerstand zur „negativen Emotion“ auf, wird letztere rascher vorüberziehen.

Es ist also egal, ob wir das Glas „halb voll“ oder „halb leer“ nennen. Wir brauchen nicht mit Worten zu tricksen. Wir brauchen unsere Wahrnehmung nicht mit dem Filter des positiven Denkens zu überlagern. Nehmen wir sie stattdessen einfach so an, wie sie ist (oder wörtlich: „wahr – nehmen“).

Wenn wir uns von den Gedankenkonstrukten „positiv“ und „negativ“ lösen können, sind wir ein großes Stück auf unserem Weg in die Achtsamkeit gegangen.

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