Transformation beginnt bei dir.

Selbstfürsorge

Transformation beginnt bei dir.

If we could change ourselves, the tendencies in the world would also change. As a man changes his own nature, so does the attitude of the world change towards him. … We need not wait to see what others do.“

Mahatma Gandhi

„Wer sich nicht selbst liebt, kann niemand anderen lieben.“ „Wenn du etwas verändern möchtest, fang bei dir selbst an.“ – Immer wieder hören wir diese und ähnliche Sätze im Alltag. Bedingt durch die Konditionierung, die wir mit unserer Erziehung, durch die Gesellschaft und mit unserem Umfeld erfahren haben, bleiben sie jedoch oft nur abstrakte Formeln und ihr wahrer Sinn ist für uns nicht greifbar.

Wie wichtig es eigentlich ist, gut für uns selbst zu sorgen und Selbstfürsorge als tägliche Praxis zu üben, wird uns entweder gar nicht bewusst, oder wir erfahren es, wenn unsere Grenzen längst überschritten sind – durch Krankheit, Burnout und Zusammenbruch. Das Paradoxe dabei ist, dass wir kontinuierlich bemüht sind, uns selbst zu optimieren, an uns zu arbeiten. Gutes tun sollen wir dabei aber vorrangig anderen, und in einem stressigen, hektischen Leben bleibt uns – solange (noch) kein akuter Leidensdruck besteht – gar keine Zeit, uns mit uns selbst zu befassen. Das wäre ja auch egoistisch, oder?

Besonders Frauen haben oft anerzogen oder vorgelebt bekommen, dass ein Leben in Aufopferung für Familie, Kinder und andere Familienmitglieder ihre Bestimmung ist. Oft stellen wir aber auch die eigene Karriere vor unser unmittelbares Wohlergehen und überhören dabei geflissentlich die Warnsignale, die unser Körper aussendet. Dabei dienen wir höchstens unserem (anerzogenen) Pflichtbewusstsein, unserem Bedürfnis nach äußerer Anerkennung (in Ermangelung der Selbstanerkennung, die wir uns verwehren), aber nie uns selbst.

Was passiert dabei nun mit uns? Was sind die Folgen?

Wir verlernen oder haben schon verlernt, unsere Bedürfnisse wichtig zu nehmen und zu erfüllen. Diesen Part möchten wir lieber anderen überlassen – dem Partner, der besten Freundin, der neuen Bekanntschaft. „Bitte mach mich glücklich!“ ist dabei unser Wunsch, ein Wunsch, der aus einem Mangelgefühl heraus entsteht. Denn zusammen mit der Fähigkeit, gut auf uns zu achten, haben wir auch verlernt, Verantwortung für unsere Gefühle zu übernehmen. Das wiederum erklärt, warum wir uns oft so schwer tun, in funktionierenden und glücklichen Beziehungen mit anderen zu leben.

Marshall B. Rosenberg beschreibt in seinem Standardwerk zur gewaltfreien Kommunikation (1) eindrucksvoll, wie wir die Verantwortung für unsere Gefühle auf andere abzuwälzen versuchen. „Du machst mich traurig“, „Du machst mich wütend“, „Du bist schuld daran, dass…“, „Warum kannst du nicht mal…“- ein endloser Kreislauf aus (beidseitig) unerfüllten Bedürfnissen führt unweigerlich zu Konflikten.

Noch schlimmer ist es, wenn wir die Verantwortung für unsere Gefühle unseren Kindern geben: „Ich bin wütend, weil du nicht auf mich hörst.“ Mit diesem oder ähnlichen Sätzen geben wir sie weiter, die Unfähigkeit, für uns einzustehen, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und friedlich miteinander zu kommunizieren.

Menschen, die sich mehrere Stunden am Tag um andere Menschen kümmern, die Kinder beaufsichtigen, Ältere versorgen oder in einem Pflegeberuf arbeiten, erfahren ganz unmittelbar und unausweichlich, dass wir die Bedürfnisse anderer nicht gut erfüllen können, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse nicht kennen oder ignorieren. Vielleicht reagieren wir genervt, ungeduldig, vielleicht fühlen wir uns ausgelaugt und erschöpft oder wir haben das Gefühl, im Leben auf der Stelle zu treten. Aus dieser Ausgangssituation heraus ist es schwer, wenn nicht unmöglich, für andere da zu sein. Die eigentliche Ursache unserer negativen Gefühle ist dabei gar nicht die Tätigkeit, das Umsorgen anderer – es ist unser Umgang mit uns selbst. Dieses Bewusstsein ist der erste Schritt zur besseren Selbstfürsorge.

Vorstellen können wir uns diese Situation wie ein Wasserglas, aus dem wir selbst trinken möchten und das wir dann anderen, durstigen Personen reichen. Ein leeres Glas ist ein leeres Glas – für uns selbst und für die anderen. Geben können wir nur dann, wenn unser Glas gefüllt ist.

Es ist also ein Trugschluss, eine unsinnige Aussage, dass es egoistisch ist, wenn wir uns Zeit dafür nehmen, gut für uns selbst zu sorgen. Wir können und müssen lernen, unsere eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen, sie zur Priorität zu machen und unser Leben nach ihnen auszurichten. Die Freude und Fülle, die wir dann unweigerlich erfahren werden, müssen wir natürlich nicht für uns behalten – unsere Umgebung, unsere Mitmenschen, Partner und Familie werden davon profitieren.

if you want things to change, you first have to change YOU.“

The Lion Inside, Rachel Bright

(1) Marshall B. Rosenberg: Nonviolent Communication, A Language of Life (PuddleDancer Press, 2015)

nirwana_meditation
%d Bloggern gefällt das: