Die Macht der Gedanken.

Gedanken, Achtsamkeit, Meditation

Die Macht der Gedanken.

„A thought is harmless unless we believe it.“


(Byron Katie)

„Wir sind unsere Gedanken. Alles ist möglich, wenn wir nur lernen, unsere Gedanken für uns zu nutzen. Wenn wir positiv denken, manifestieren, wünschen und glauben. Ganz fest. Dann passiert haargenau das, was wir uns wünschen….garantiert. Und es passiert auch, wenn wir es nicht glauben.“

So in etwa lautet das Resümee aus unzähligen Artikeln und Beiträgen, die mir in letzter Zeit begegnet sind. Bekanntlich begegnet uns ja immer genau das, was wir gerade brauchen, und so war ich erstmal neugierig und offen für das, was mir Coaches, Lebensoptimierer und erfolgreiche UnternehmerInnen da vermitteln wollten.

Es klingt so einfach, so fantastisch: Stell dir vor, wie genial dein Leben sein könnte. Wie viel besser als jetzt gerade. Stell dir vor, du hättest alles, was du dir wünschst, und dann setzt du noch einen drauf. Reichtum, Erfolg, Traumpartner, you name it. Das Ganze schickst du als „Bestellung“ an das Universum und wirst postwendend all diese Dinge empfangen. Mindestens.

Nickst du gerade begeistert? Oder stellt sich bei dir beim Lesen gerade ein merkwürdiges Gefühl ein? Stimmt es wirklich, dass ich jeden Tag manifestieren muss, um mein Leben in Fülle zu leben und meiner wahren Bestimmung gerecht zu werden? Wenn Gedanken per Naturgesetz unser Leben bestimmen, haben also im Umkehrschluss Menschen, die an Krebs erkranken, die Verlust erleben oder in Armut aufwachsen einfach „falsch gedacht“ und so diese Dinge angezogen? Bleibe ich automatisch unter meinem Potential, wenn ich mein Leben so genieße, wie es gerade ist, statt dem Universum in regelmäßigen Abständen meine hyperbolische Wunschliste zuzusenden? Und werde ich dann weniger Erfolg haben, meine eigene Kraft verkennen und mein Leben verschwenden?

Beantworten werde ich diese Fragen nicht. Aber ich möchte dich dazu einladen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen: den des Hier und Jetzt. In wirklicher Fülle und Zufriedenheit wirst du leben, wenn du dein Paradies genau da findest, wo du gerade stehst. Wenn du feststellst, dass du weder Reichtum, noch Erfolg benötigst, um wirklich glücklich zu sein. Die wahren Lehrmeister, deren Weisheit jenseits von Insta-Stories und Facebook-Likes zu finden ist, werden auf der Suche nach Glück deinen Blick stets nach innen lenken.
Was da auf dich wartet, ist keine schillernde Illusion, sondern eine eine stille, beständige Kraftquelle. Dort wartet die Wahrheit und du siehst dich selbst. Nicht nur im Licht, sondern auch im Schatten, kreativ oder pragmatisch. Einzigartig.

Wenn wir statt diesem Blick nach innen unsere Aufmerksamkeit auf unsere Gedanken lenken und ihnen die Macht geben, über unser Leben zu bestimmen, geraten wir in einen anstrengenden Kreislauf: Wir müssen kontrollieren, festhalten, wiederholen und sind fokussiert auf eine Zukunft, die anders ist als dieser Augenblick.
Natürlich können wir durch Visualisieren unserer Ziele wertvolle Impulse für unser Leben erhalten und es so aktiv gestalten. Wenn wir jedoch ständig unsere Gedanken in die Zukunft leiten und uns ein Konstrukt bauen, das unserem zukünftigen Leben entsprechen soll, verpassen wir dabei unser eigentliches Leben – wir entscheiden uns bewusst gegen den Moment, der sich gerade vor uns ausbreitet. Der Unterschied zwischen dem, was ist und dem, was wir gern hätten, wird immer größer und sorgt für Reibung und Unzufriedenheit.

Vielleicht erinnert dich dieser Kreislauf an Menschen, die durch immer neue Besitztümer versuchen, Zufriedenheit zu erlangen. Und wir wissen, dass diese ständige Suche immer nur zu kurzen Momenten der Befriedigung führt, bevor sich das nächste Verlangen in uns regt. So genießen wir sie immer weniger, die Momente des Glücks und der Freude. Im Vordergrund steht ständige Selbstoptimierung: da geht noch mehr; wir wollen schließlich über uns hinauswachsen und wirklich großartig werden. Nie gibt es ein vollständiges Annehmen dessen, was gerade ist, ständig wartet eine neue Zukunft darauf, von uns herbeigewünscht zu werden. Und nicht selten werden als Werkzeuge dieser gedanklichen Zukunftsgestaltung Meditation und Achtsamkeit angeboten.

Die Achtsamkeit lehrt uns in ihrem Kern jedoch etwas ganz anderes: Das Ankommen bei und in uns selbst, ungeachtet äußerer Umstände. Die Freude an Momenten, die wir intensiv und mit allen unseren Sinnen leben, ohne uns dabei nach mehr zu sehnen. Die Klarheit, zu erkennen, dass auch „unvollständige“ Lebensphasen angenommen werden wollen und uns zeigen, wie wir tiefe Zufriedenheit in jeder Situation erfahren können. Immer, hier und jetzt.
Schauen wir noch tiefer, dann finden wir auch die Freiheit, nicht länger bewerten und vergleichen zu müssen – uns selbst, unser Leben und unsere Zukunft.

Das heißt nicht, dass du aufhören sollst zu träumen, zu planen und dich auf das zu freuen, was kommt. Wir brauchen ihn, diesen Drive, die Energie, die uns in Bewegung hält und unser Leben gestalten lässt. Aber vergiss dabei nicht, dass dein Leben sich in exakt dem Moment abspielt, den du gerade jetzt erleben darfst. Freu dich auf heute und genieße das Jetzt, und gönne deinem Geist eine Gedankenpause.

Weißt du, Gedanken sind wirklich nur Gedanken, und du bist nicht das, was du denkst. Statt deine Gedanken zu kontrollieren und ständig in ein produktives Mindset zu pressen, darfst du sie einfach ziehen lassen. Mit einem zufriedenen Lächeln.

nirwana_meditation
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